Empedokles sagt du bist ein Mörder..

..wenn du dem Verzehr von Fleisch frönst. Wie viele diesen Satz schon von einem beliebigen Vegetarieraktivisten aus der näheren Umgebung wohl schon gehört haben und jetzt schnaubend das kleine X in ihrem Browser suchen, da sie diese ewigen Moralkeulen leid sind. Bitte, lasst euch nicht aufhalten! Für alle anderen gilt: Nein, dies ist nicht eine 08/15 Standartmoralerinnerung, an das Leid, das in den vielen Tierfabriken unserer Tage industriell hergestellt wird. Viel mehr will ich eine Stimme aus der Antike aufzeigen, und wiedergeben was sie vertrat.

Empedokles wurde ungefähr um 495 v. Christus auf Sizilen geboren und befasste sich seinen Biographen nach mit Dichtkunst, Politik und als Arzt. Manche Stimmen sprachen ihm auch magische Fähigkeiten nach, was in der antike keine Seltenheit gewesen ist.
Seine Werke sind uns nicht vollkommen erhalten. Auch dies ist keine Seltenheit, in der Philosophie beschäftigen wir uns daher viel mit Fragmenten und Rezensionen anderer Autoren, die bezugnehmend auf das Leben der betreffenden Person, berichte über sie anfertigen.

Empedokles war, wie viele seiner Zeitgenossen, ein Anhänger der Reinkarnationslehre, die damals nicht nur im Morgenland weit verbreitet gewesen ist. So bedeutet der Verzehr von Fleisch nicht nur, dass einem unschuldigem Lebewesen das Leben genommen ist, sondern da im Kreislauf der Seelen jeder einmal den Körper eines Tieres überstreift, bedeutet das somit, dass dieser Mord gleichwertig zu dem eines an einem Menschen begangenen ist. Ebenfalls jene, die Tiere in Käfigen gefangen halten, halten im Endeffekt menschliche Brüder und Schwestern gefangen.

Folgendes soll er gesagt haben:

414 (*) : „Hört ihr denn nicht auf mit dem schrecklich tönenden Morden? Seht ihr denn nicht, dass ihr euch in eurer Gleichgültigkeit des Denkens gegenseitig zerfleischt?“ (1)

415: „Der Vater hebt den eigenen Sohn auf, der sich in seiner eigenen Gestalt verändert hat, schlachtet ihn und betet dazu – der blinde Tor, den Sohn, der herzzereißend klagt und ihn anfleht, während er opfert. Er aber, taub gegen die Schreie, schlachtet ihn, und bereitet ihm Haus ein übles Mahl. In der selben Weise ergreift der Sohn den Vater und packen die Kinder die Mutter; sie rauben ihnen das Leben und verspeisen das Fleisch ihrer Lieben.“

416: „Weh mir, dass mich nicht vorher der unerbittliche Tag vernichtete, bevor ich schreckliche Taten des Fraßes (= des Fleischessens) mit meinen Lippen vollführte“

417: „Denn einst bin ich schon ein Knabe gewesen und ein Mädchen, ein Busch und ein Vogel und ein aus dem Meer springender, wandernder Fisch“

Na dann, guten Appetit!

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Anmerkungen:

(*) die Zahlen in diesem Artikel beziehen sich auf die Nummerierung einer Kategorisierung von Fragmenten verschiedener antiker Autoren die auf Empedokles bezug genommen, oder ihn übersetzt haben, entnommen aus: „Die Vorsokratischen Philosophen“ Herausgegeben von G.S. Kirk; J.E. Raven und M. Schofield. Erschienen im J.B. Metzler Verlag 2001. Diese beziehen sich auf:

414: Fragment 136 von Sextus, aus: adv. Math IX, 129

415: Fragment 137 von Sextus, aus: adv. Math IX, 129

416: Fragment 139 von Porphyrios, aus: de abstinentia II, 31

417: Fragment 117 von Diogenes Laertius; VIII , 77

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